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22 Monate und 22 Minuten: Risotto für Geduldige
Risotto ist kein Gericht für Eilige und verlangt nicht nach dem «ultimativen Kitchen-Hack», sondern nach einer Haltung. Wer es kocht, entscheidet sich für Aufmerksamkeit, für Geduld, für das langsame Annähern von Korn und Flüssigkeit. Und wie so oft in der Küche zeigt sich: Je einfacher die Ausgangslage, desto entscheidender die Details. Risotto ist aus einer Landschaft entstanden, in der Wasser mehr Struktur ist als bloss ein Element. In der Lombardei, zwischen Po-Ebene und
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Finocchietto selvatico
Ende August geht auch in Italien der Hochsommer zu Ende. Italiens wichtigster Feiertag Ferragosto ist bereits vorbei und in der Nacht überzieht eine leichte Feuchtigkeit die Erde. Wer zu der Zeit in der Maremma und im nördlichem Latium statt von der Klimaanlage halb tiefgefroren mit offenem Fenster oder gar offenem Dach auf schlecht geteerten Strassen über Land fährt, der wird sich ab und an fragen, wieso es so betörend riecht. Entweder fahren Sie in dem Moment durch eine Pin
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In der Tinte
Nicht immer ist etwas misslungen, wenn man in der Tinte sitzt. Ein Risotto wird damit erst richtig speziell. Die Umgangssprache macht es sich meistens ein bisschen einfach. Daher ist, wenn man von Sepia spricht, erst mal ein bisschen Differenzierung nötig: Als Sepia wird einerseits der Farbstoff bezeichnet, welcher aus dem Tintenbeutel des Tintenfisches hergestellt wurde und früher in Tusche zum Zeichnen und Schreiben beliebt war. Andererseits ist Sepia neben dem Kalamar und
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Zuchetti: Züchtiges Junggemüse
Zuverlässig begleiten uns Zucchetti den ganzen Sommer und sind jetzt in Hülle und Fülle verfügbar. In immer neuen Gewändern von dunkelgrün bis hellgrün, über gelb bis gestreift leuchten uns Zucchetti am Gemüsestand an, doch wie das mit jungem Gemüse so ist, gibt sich die Zucchetti wild, ist aber sonst ziemlich unschuldig mild im Geschmack – was den «kleinen Kürbis» übrigens in Babybrei sehr beliebt macht. Das klingt wenig aufregend, doch ist dieses im botanischen Sinne unrei
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Erdbeer-Balsam: für die Sinne
Die Erdbeere fristete lange im doppelten Sinn ein Schattendasein. Als wilde Walderdbeere wächst sie an den Waldrändern im Schatten der grosser Bäume. Und ganz offensichtlich war es allen antiken Kulturen zu mühsam, diese Beere zu essen: zu klein und zu wenig ergiebig war die Ernte. Erste, rein zufällige Zuchterfolge in den Gärten von Ludwigs XV. brachten der Frucht den Durchbruch. Die gezüchtete Gartenerdbeere ist der wilden Walderdbeere in Aroma und Intensität allerdings unt
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Randen: Unterschätzte Rüben
Der Ruf der Beta vulgaris war lange etwa so gut, wie ihr lateinischer Name appetitanregend ist. Dabei ist die Rande, wie wir sie nennen, eine vielfältige Wurzel. Vom Mangold die rote Farbe und von der Rübe den süssen, erdigen Geschmack: Es liegt wohl an dieser Kombination, dass die Rande nicht nur sehr gesund, sondern auch vielseitig in der Küche einsetzbar ist. Lange fristete die Schwester der Zuckerrübe ein tristes Dasein und war höchstens als Scheiben in Essig eingelegt o
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Eierschwämme: mehr als ein Pfifferling wert
Das Eierschwämmchen gehört tatsächlich zu den Pilzen, die man häufiger bekommt, als andere Sorten. Dass sie deswegen nichts wert sein sollen, liegt allerdings an einem sprachlichen Missverständnis. Schuld an diesem geflügelten Wort sind die als sparsam bekannten Schwaben. Was sie als nicht sehr wertvoll empfanden, war «kein Fünferle» wert. Und weil das für echte Schwaben immer noch zu Deutsch klang, wurde daraus sehr schnell das Pfifferle. Damit dieser Herbstbote wieder zu
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Basilikum: Königskraut für das Volk
Es gibt kaum ein Kraut, welches so häufig in der Küche eingesetzt wird, wie das Königskraut. Wir kennen es als Basilikum. Ursprünglich war Basilikum eine Heilpflanze, die vor allem gegen Appetitlosigkeit eingesetzt wurde. Offenbar war die Wirkung dermassen gut, dass Basilikum heute zu den meist eingesetzten Kräutern in der mediterranen Küche gehört. Das führt aber leider auch dazu, dass es häufig schon fast wie Salat über alles Passende und auch Unpassende gestreut wird. D
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Aus dem Schatten treten: Parmigiana di melanzane
Vielerorts heisst sie Eierfrucht. Wir sagen dazu Aubergine. Die Italiener nennen sie Melanzane. Beliebt ist sie überall. Biologisch betrachtet ist die Aubergine ein Nachtschattengewächs. Kulinarisch steht sie allerdings in vielen Ländern gross im Scheinwerferlicht und schafft es vielerorts auf die Liste der Nationalgerichte: Was ässen die Griechen ohne die Moussaka? In was würden die Araber das Fladenbrot dippen, wenn sie kein Baba Ghanoush hätten? Und wieviel ärmer wäre die
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Aufgestängelt: Cima di rapa
Eigentlich ist er ja nicht für seine Grösse bekannt. Aber der Stängelkohl aus dem Süden Italiens trägt seinen Namen zu Recht. Im Italienischen hat der Stängelkohl einen Namen, der eine Spur sinnlicher ist als der deutsche: Cima di rapa heisst wortwörtlich übersetzt «Wipfel der Rübe». Damit zeigen die Italiener auch, dass sie es mit der Biologie genauer nehmen als wir hier nördlich der Alpen. Denn tatsächlich ist der Stängelkohl eigentlich eine Varietät der Rübe und nicht des
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Artischocken: beim Essen verhungert.
Es soll Zeitgenossen geben, die behaupten, bis eine Artischocke gegessen ist, sei man verhungert. Doch es gibt viele gute Gründe, sich dem Herz dieser Pflanze zu nähern. Der Artischocke werden wohltuende Wirkungen nachgesagt, mitunter, dass sie gut zum Abnehmen sei. Allerdings nicht, weil es anstrengend wäre, sie zu rüsten, sondern aufgrund ihrer Inhaltsstoffe. Der für sie so typische Bitterstoff Cynarin, der auch Namensgeber für einen leicht bitteren Aperitif ist, regt den
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Kochen im Januarloch: Orecchiette mit Broccoli und Salsiccia.
Kein Januar ohne Januarloch. Allerdings ist es offenbar völlig unklar, woher dieser Begriff stammt. Er kommt weder im Duden noch im Schweizerischen Idiotikon vor. Gemeint ist aber, dass es im Januar nach all den Festivitäten zu Weihnachten und Silvester kein Geld hat, um richtig dick aufzutragen. Wenn dem also wirklich so ist, dann kochen wir eben mit kleinem Budget. Aber deswegen sicher nicht weniger gut. In diesem Fall gibt es Orecchiette mit Broccoli. Das ist ja an sich
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Mangold: das Kraut von Rüben
Mangold ist wohl die einzige Rübenart, bei welcher Stengel und Blätter statt der Wurzel das Augenmerk der Köche geniessen. Bei Mangold handelt es sich um eine Varietät der Rübe. Es ist allerdings unklar, welche der beiden Pflanzen zuerst kultiviert wurde: Es gibt Quellen, die den Mangold bereits bei unseren prähistorischen Vorfahren auf dem Speisezettel vermuten. Und da die Rüben erst bei den Römern erste Erwähnung finden, kann angenommen werden, dass Mangold die Ursprungsfo
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Bärlauch: Gestärkt in den Frühling
Der Bärlauch ist ein Bote des Frühlings. Vermutlich heisst er so, weil die Bären sich nach dem Winterschlaf damit vollgefressen haben sollen, um wieder zu Kräften zu kommen. Was dem Bären gut tut, kann dem Menschen nicht schaden. Tatsächlich hatte der Bärlauch im Mittelalter als Medizinpflanze den Ruf, ganz grundsätzlich Unheil vom Menschen abzuwenden. Ob das an seinem hohen Anteil an Alliin – einer schwefelhaltigen Aminosäure, wie sie auch im Knoblauch vorkommt – liegt, ist
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Italienischer Spargel: Brokkoli mit Orecchiette
Wer es nicht erwarten kann, bis die ersten Spargeln zu haben sind, dem kann geholfen werden: Mit dem italienischen Spargel, hierzulande unter dem Namen Brokkoli bekannt. Die genaue Herkunft und Ausbreitung von Gemüse zu eruieren, ist immer ein Wagnis. Man muss sich dabei auf historische Quellen und Texte stützen. In den allermeisten Fällen wird für Gemüse, das heute bei uns beliebt ist, der asiatische Raum als Ursprung bezeichnet. Es ist allerdings gut möglich, dass der Brok
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Cavolo Nero: Robust durchs Januarloch
Kein Januar ohne Januarloch. Nach den Festtagen ist vielerorts kein Geld mehr vorhanden, um dick aufzutragen. Dann kochen wir eben mit kleinem Budget. Aber deswegen sicher nicht weniger gut. Das Piatto forte dieser Ausgabe ist eine Bruschetta con Cavolo Nero. Bruschetta nennt man frisch geröstetes Weissbrot, welches vor allem als Unterlage von klein gewürfelten, frischen Tomaten Berühmtheit erlangte. Allerdings haben Tomaten im Januar nicht ihre Saison. Der Cavolo Nero – als
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Antonios Brot: Panettone
Wieso zur Adventszeit mehr Süsses als unter dem Jahr gebacken wird, ist nicht endgültig geklärt. Sicher ist jedenfalls, dass bereits in vorchristlicher Zeit zur Wintersonnenwende zu Opferzwecken gebacken wurde. Die christlich-weihnachtliche Tradition, in der Adventszeit spezielles Gebäck zu backen, hat ihren Ursprung wahrscheinlich in den mittelalterlichen Klöstern, welche begonnen haben, die Hostien für die Gottesdienste in der Weihnachtszeit etwas süsser zu backen und etwas
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Pâte di Fegatini al Vin Santo. Auf Adriano Art.
Hühnerleber ist auch so ein Lebensmittel, welches irgendwie aus den Läden verschwunden ist. Früher waren doch Herz und Leber des Huhns noch mit dabei, wenn man ein frisches Poulet kaufte. Allerdings scheint wieder Besserung in Sicht. Beim einen Grossverteiler habe ich neulich nämlich Hühnerleber entdeckt. Die Gelegenheit also, das schon lange geplante aber noch nie gekochte Rezept der Hühnerleber Pate mit Vin Santo zu machen. Das Rezept hat uns Adriano von der Mägd in Basel
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