top of page

Schaum ohne Show

Der Rahmbläser hat lange ein Imageproblem gehabt. Zu oft wurde er missverstanden als Werkzeug für Effekte, für Luft statt Geschmack, für Teller, die mehr können wollen, als sie müssen. Ein Schaumschläger eben. Dabei kann das Gerät etwas sehr Nützliches, wenn man es lässt: Es verändert Textur, ohne den Charakter einer Sauce zu verraten.



Nicht alles, was leicht ist, muss belanglos sein. Und nicht jede Sauce muss schwer daherkommen, um ernst genommen zu werden. Der Rahmbläser ist kein Versprechen auf Bluff, sondern ein Angebot zur Reduktion. Man nimmt etwas Vertrautes, verändert die Form – und schaut, was bleibt.


Beurre noisette, aber schwebend

Braune Butter ist eine dieser Zubereitungen, die nie aus der Mode kommen, weil sie nie in Mode waren. Sie riecht nach Geduld, nach Aufmerksamkeit, nach dem Moment kurz vor dem Zuviel. Nussig, warm, konzentriert. Und ehrlich gesagt: oft auch ein wenig schwer.


Als Espuma verliert die Beurre noisette nichts von ihrem Aroma, aber einiges von ihrer Schwere. Sie liegt nicht mehr auf dem Teller, sie umhüllt ihn. Ein Spargel braucht plötzlich keine Sauce mehr, ein Fisch keinen zusätzlichen Twist, ein Kartoffelstock keine weitere Butterflocke.


Es ist immer noch braune Butter. Nur ohne den Nachdruck.


Parmesan, nicht gerieben

Parmesan wird gerne gestreut. Grosszügig, manchmal zu grosszügig. Als würde Menge Qualität ersetzen. Im Rahmbläser passiert das Gegenteil: weniger Käse, mehr Wirkung.


Als Espuma wird Parmesan nicht zur Wolke, sondern zur Würze. Er legt sich über ein Gericht, statt es zuzudecken. Ein Risotto wird nicht schwerer, sondern klarer. Ein Teller Gemüse bekommt Tiefe, ohne nach Fondue zu schmecken.


Man reibt nicht mehr, sondern dosiert. Und merkt plötzlich, wie weit man mit wenig kommt.


Senfbutter, neu sortiert

Senfbutter gehört zu den stillen Klassikern. Zum Beispiel zu Siedfleisch oder zu Wintergemüse wie Kohl. Zu allem, was etwas Haltung verträgt. Sie ist direkt, aromatisch, manchmal fast grob. Als Espuma wird sie überraschend höflich.


Die Schärfe bleibt, aber sie drängt sich nicht vor. Die Butter ist da, aber sie beschwert nichts. Was sonst als Akzent gedacht war, wird zur verbindenden Schicht. Ein gekochtes Stück Rind wirkt plötzlich leichter, ein Teller Gemüse aufgeräumter.


Wer Senf dazu gibt, hat nicht weniger. Man hört ihn nur besser.


Warum das funktioniert

Der Rahmbläser macht nichts Neues. Er nimmt Gewicht aus der Sauce, nicht Geschmack. Er zwingt dazu, präziser zu sein. Wer zu viel würzt, merkt es sofort. Wer sauber arbeitet, wird belohnt.


Vielleicht ist das der eigentliche Reiz: Diese Espumas sind keine Abkürzung. Sie sind eine Entscheidung. Gegen Überladung. Gegen das reflexhafte Mehr. Für eine Küche, die weiss, wann sie genug gesagt hat.


Zum Schluss

Schaum muss nicht verspielt sein. Und Technik nicht laut. Manchmal reicht es, Vertrautes anders hinzulegen – und ihm zuzuhören.Der Rahmbläser kann vieles. Am besten kann er eines: Schaumschlägern Demut lernen.



Beurre-noisette-Espuma (für Spargel, Fisch, Kartoffeln)

Butter langsam bräunen, bis sie nussig riecht, aber nicht dunkel wird. Durch ein feines Sieb giessen. Mit etwas hellem Fond oder Milch verdünnen, bis die Konsistenz saucenartig ist. Leicht salzen. In den Rahmbläser füllen, eine Kapsel, warm halten.

Mehr braucht es nicht. Und weniger wäre zu wenig.


Parmesan-Espuma (für Risotto, Pasta, Gemüse)

Fein geriebenen Parmesan in heisser, aber nicht kochender Gemüsebrühe auflösen. Einen kleinen Schuss Rahm zugeben, nur für die Bindung. Abschmecken, meist braucht es kein zusätzliches Salz. Durchmixen, durch ein Sieb passieren. In den Rahmbläser füllen, eine Kapsel, warm halten.

Kein Mehl, keine Stärke. Der Käse macht das selbst.


Senfbutter-Espuma (für Rind, Kohl, Wurzelgemüse)

Butter schmelzen, etwas milderen Senf unterrühren, mit wenig Fleisch- oder Gemüsefond verlängern. Kein Zucker, keine Säure – der Senf bringt beides mit. Fein pürieren, abschmecken. In den Rahmbläser füllen, eine Kapsel, warm halten.

Die Sauce soll tragen, nicht kommentieren.

Kommentare


bottom of page